Noch in der Minderzahl, aber schwer im Kommen: Frauen als Unternehmerinnen. Aktuell sind 28% aller Selbstständigen in Deutschland Frauen, und ihr Anteil wächst stetig. Auch in Dortmund haben Frauen trotz Krisenstimmung und Konjunkturschwäche Mut bewiesen. Allein hier hat sich die Zahl der Unternehmerinnen seit dem Jahr 2000 verdoppelt. HEINZ stellt einige davon vor.
Sich abrackern, damit andere den Profit einstreichen? Dazu haben immer weniger Frauen in Deutschland Lust. Bereits über 1 Million von ihnen haben ihr eigenes Geschäft und wirtschaften in die eigene Tasche. Ein Unterschied zu männlich geführten Unternehmen besteht dabei kaum, noch sind die der Frauen allerdings meist kleiner, machen weniger Umsatz und haben weniger Beschäftigte. Die Hälfte aller selbstständigen Frauen ist im Dienstleistungsbereich tätig, fast ein Viertel im (Einzel-)Handel.
Eine typische Frauenbranche ist etwa das Frisier-Geschäft - auch wenn die Dortmunderin Tanja Ötzkan das ihrige als ganz und gar nicht typisch empfindet: Ihre Sexy Hair Company auf der Stubengasse ist im Gegenteil das Resultat ganz spezieller Vorstellungen eines Friseur-Salons, die Tanja an den Stationen ihres vorherigen, unselbstständigen Berufslebens nicht verwirklicht sah:
„Überall, wo ich bisher gearbeitet habe, hat irgendwas gefehlt oder gestört. In meinem eigenen Geschäft konnte ich jetzt endlich meinen Traum verwirklichen’;
so die 28-Jährige über ihre Sexy Hair Company, die in der Tat in keinster Weise Muttis „Salon Sowieso” gleicht, auch wenn Tanja eine Kundschaft „von 8 bis 88″ bedient. Die ältere Klientel sucht sich freilich eher Termine in der ersten Wochenhälfte aus, beschallt ab Donnerstagnachmittag doch ein DJ die lichtdurchfluteten Räume der Company mit House und R’n'B. Neben den Turntables gibt’s bei Tanja zudem eine Bar, denn „die Leute kommen hier nicht nur zum Haareschneiden her, sondern einfach auch zum Kaffeetrinken oder Quatschen’; so die Jungunternehmerin über ihre Frisier-Philosophie.
Tanjas Konzept kommt offensichtlich an in der City-erst vor einem Jahr hat sie ihr Geschäft eröffnet und schon wuseln, neben dem mit bunter Haarverlängerung ausgestatteten Hündchen Gizmo, drei Gesellinnen und eine Auszubildende im „sexy” Friseur-Salon herum.

Mitarbeiter hat Namensvetterin Tanja Dasbeck zwar nicht, noch ist holzbau4u ein Ein-Frau-Unternehmen, doch auch ihr Geschäft boomt. Die studierte Bauingenieurin verkauft Holzhäuser und übernimmt im Bedarfsfalle auch die Bauleitung. „Holzbau ist im Kommen’; weiß die 33-Jährige und verweist auf positive Eigenschaften gegenüber den herkömmlichen Steinbauten wie z.B. das bessere Wohnklima oder die schnellere Bauweise.
Seit zwei Jahren verkauft sie unter eigenem Firmenlogo die Häuser zweier Hersteller aus Süd- und Norddeutschland, präsentiert sich dafür auf Messen und betreut ihre Kunden bei Bedarf von der Bauplanung bis zum Einzug. Ihre Bilanz in der Männerbranche ist positiv - schlechte Erfahrung mit den männlichen Kollegen gebe es keine, dafür reichlich gute mit Kunden, die ihre intensiven Beratungs und Planungsgespräche schätzten.
Der schon früh verspürte Wunsch, sich selbstständig zu machen, verbindet Tanja Dasbeck mit vielen Dortmunder Unternehmerinnen. Auch für Saskia Kuberra war ein eigenes Unternehmen bereits während ihres Studiums das Ziel. Grund: Saskia arbeitet in der Modebranche, hat in Mönchengladbach Bekleidungstechnik studiert und weiß,
„wenn du in diesem Job mal eine Familie haben willst, darfst du nicht von einem Arbeitgeber abhängig sein”.
Einmal raus aus dem Geschäft während einer Babypause, schon habe man den Anschluss verloren. Und da sie„später auf jeden Fall” Kinder haben möchte, gründete die heute 30-Jährige vor zwei Jahren die Firma Bananatexx, einen Großhandel für Promotiontextilien. Die von ihr designte Kollektion lässt sie in der Türkei produzieren und verkauft sie von ihrem jüngst von Dortmund nach Unna verlegten Firmensitz an Großkunden in ganz Deutschland.
Dazu kommt neuerdings verstärkt der Handel mit Restposten und Überproduktionen hochwertiger Modeartikel, die sie ebenfalls am Bosporus erwirbt und zu Hause an Boutiquen weiter veräußert. Mittlerweile läuft das Geschäft, Saskia denkt sogar bereits über eine Dependance in der Türkei nach, doch der Auftakt ihrer Unternehmensgründung gestaltete sich steinig:
„Was einem bei Ämtern und Banken alles an Brocken in den Weg gelegt wird, ist beachtlich’;
erinnert sich die Dortmunderin, die letztlich froh war, einen Existenzgründerkredit zu bekommen.
Bei Jessica Kroll dagegen klappte dies nicht. Ironischerweise wurde der Inhaberin der Wohnfabrik in Dortmund-Oestrich vorgehalten, die Lage ihres Geschäftes sei völlig ungeeignet. Dabei hatte die damals 35-Jährige das Ladenlokal an der Castroper Straße ganz bewusst , liegt es doch verkehrsgünstig an der Autobahnabfahrt Dortmund-Bodelschwingh. So musste Jessica auf elterliches Kapital zurückgreifen, um ihr etwas anderes Möbelhaus eröffnen zu können.
Die Geschäftsidee der gelernten Innenarchitektin: hochwertige Weichholzmöbel, die farblich individuell nach Kundenwunsch gestaltet werden. Die Reproduktionen klassischer Gründerzeit - oder auch moderner Bauhausmöbel findet man in der Wohnfabrik allesamt unbehandelt. Der Kunde kann nach Gusto aus einer reichen Farbpalette seinen ganz speziellen Wunschton wählen, das Laugen oder Ölen des Holzes übernimmt die Chefin anschließend selbst.
So wie Jessica Kroll haben auch Andrea Schmidt und Katja Grimme mit ihren Geschäften Nischen besetzt: Andrea ist gelernte Goldschmiedin und kreiert seit drei Jahren in ihrem Atelier am Eisenmarkt eigene, originelle Schmuckkreationen, bei denen sie teils zu ungewöhnlichen Materialien greift und neben ihren Hauptwerkstoffen Silber und Feingold etwa auch Kieselstein verarbeitet. Sogar aus Knochen habe sie bereits Schmuck gearbeitet, manche Kundin habe das morbide Material freilich abgeschreckt. Am 14. November präsentiert sie nun ihre neue Kollektion mit Namen„Winterlust”.
Im weiteren Sinn beschäftigt sich auch Katja Grimme mit Schmuck, nämlich dem, den man auf der Nase trägt. Katja ist Optikerin, hat sich jedoch bei ihrer Geschäftseröffnung gerade nicht auf nur schmückende Brillen spezialisiert, sondern insbesondere auf jene Sehhilfen, die auch bei der Ausübung verschiedenster Sportarten nicht von der Nase rutschen. sport:optic heißt entsprechend ihr Geschäft, in dem zwischen 60 und 70 % ihres Angebotes aus Spezialbrillen für Biker, Kicker und Co. bestehen. Besonderheit im NRW-weit einzigartigen Optikhandel: Das gewählte Modell kann der fehlsichtige Sportler im eigens entwickelten Windkanal austesten - sogar Radprofi Rolf Aldag nahm bei Katja diesen Service bereits in Anspruch.
Sind die bisher vorgestellten Unternehmerinnen nach Studium oder Lehre meist in der entsprechenden Branche geblieben, hat das„Unternehmen” von Güler Altunoglu und Julia Prang nichts mit dem zu tun, was sie zuvor an der Uni gelernt haben. Die einstigen Pädagogik- bzw. Architekturstudentinnen eröffneten im September letzten Jahres die Q-Bar gegenüber dem Konzerthaus, sind also Wirtinnen geworden.
„Wir waren beide frustriert von der Uni, und da wir bereits lange Jahre in der Gastronomie gearbeitet hatten, kam zwangsläufig die Idee auf, etwas eigenes zu machen’;
erklärt die 30-jährige Julia den Schritt zur Selbstständigkeit. Viel Herzblut und eigene Arbeitskraft steckten die beiden in den Umbau einer alten Spielhalle zur heutigen Q-Bar, in der wechselnde DJs an den Wochenenden für Party-Atmosphäre sorgen. Julias und Gülans Fazit fällt nach dem ersten Jahr durchweg positiv aus, man schaut zuversichtlich in die Zukunft:
„In den nächsten 10 Jahren wollen wir erstmal nichts anderes machen!’;
so Julia, die damit exakt dasselbe ausspricht wie Patricia Scholz. In verblüffender Parallele zum Q-BarTeam hat die Hotelfachfrau gemeinsam mit Freundin Daniela unweit ebenfalls ein Lokal eröffnet-das retrogestylte Chill’R gibt es allerdings bereits ein Jährchen länger.
Setzen diese Dortmunder Gastronominnen auf eine Jahrtausende alte Branche, boomte der Wirtschaftszweig, in dem Petra Hülsmann aktiv ist, erst in der jüngsten Vergangenheit. Der Internet-Commerce erlebte im Jahre 2002 freilich auch schon seinen ersten kapitalen Crash. Genau zu der Zeit, als Petras Firma PixeIConsult den zweiten Geburtstag feierte.
„Davon haben wir richtig was abbekommen. War das erste Jahr gleich das beste der Firmengeschichte, ging es im zweiten unvermittelt bergab’;
erinnert sich die 35-Jährige, die sich plötzlich mit der Aufgabe konfrontiert sah, um Kunden, die anfangs Schlange standen, werben zu müssen. Mittlerweile sieht der Markt für die PixeIConsult-GmbH, die Unternehmen im Bereich des Online-Marketings berät und deren Internet-Auftritte realisiert, indes wieder rosiger aus. Doch sollte es um Petra Hülsmanns Unternehmen irgendwann einmal schlecht bestellt sein, hat sie weitere Eisen im Feuer- die Powerfrau hat nebenbei noch einen Lehrauftrag an der FH Dortmund und promoviert obendrein an der Uni Bielefeld
Stefan Moutty